Veröffentlicht: 06.10.2026|
Im Lager ist ständig Bewegung: Mitarbeitende kommissionieren, kontrollieren Waren, klären Rückfragen oder warten auf Nachschub. Doch welche Tätigkeiten bestimmen den Arbeitsalltag hauptsächlich? Und wo entsteht der Aufwand, der Prozesse ausbremst? Multimomentaufnahmen machen sichtbar, wie sich die Arbeitszeit auf unterschiedliche Tätigkeiten verteilt. Statt sich auf Einzelbeobachtungen oder das Bauchgefühl zu verlassen, erhalten Unternehmen eine belastbare Grundlage für die weitere Optimierung ihrer Abläufe.
Wo bleibt die Arbeitszeit wirklich?
Wenn Leistung oder Durchsatz hinter den Erwartungen zurückbleiben, scheint die Ursache häufig schnell gefunden: Die Kommissionierung dauert zu lange, im Wareneingang fehlt Personal oder an einer Station läuft die Maschine nicht schnell genug. In der Praxis liegt der entscheidende Zeitfresser jedoch nicht immer dort, wo er vermutet wird.
Vielleicht warten Beschäftigte regelmäßig auf Material. Vielleicht legen sie unnötig weite Wege zurück, korrigieren Belege oder müssen häufig Rückfragen klären. So kann ein unscheinbarer Arbeitsschritt mehr Kapazität binden als der vermeintliche Hauptprozess.
Genau hier setzen Multimomentaufnahmen an. Sie zeigen, mit welchen Tätigkeiten sich Mitarbeitende beschäftigen und wie Betriebsmittel, beispielsweise Maschinen, Anlagen oder Fahrzeuge, tatsächlich genutzt werden.

Wie funktioniert eine Multimomentstudie?
Multimomentaufnahmen sind ein statistisches Verfahren zur Untersuchung von Arbeitsabläufen. Zu zufällig ausgewählten Zeitpunkten wird festgehalten, welche zuvor definierte Tätigkeit gerade ausgeführt wird. Das kann beispielsweise Kommissionieren, Einlagern, Kontrollieren, Dokumentieren, Reparieren, Suchen oder Warten sein.
Beobachtende gehen zu zufälligen Zeiten durch einen Arbeitsbereich und notieren im exakten Moment des Eintreffens die aktuelle Tätigkeit (z. B. Ware packen, Fahren im Kommissionierbereich, Leerguthandling).
Aus einer ausreichend großen Zahl zufällig verteilter Beobachtungen entsteht eine aussagekräftige Häufigkeitsverteilung. Sie zeigt, welchen Anteil die einzelnen Tätigkeiten an der betrachteten Arbeitszeit haben.
Was unterscheidet die Multimomentstudie von einer Zeitstudie?
Bei einer Zeitstudie begleitet eine Fachperson einen konkreten Ablauf und misst, wie lange einzelne Arbeitsschritte dauern – beispielsweise das Greifen eines Artikels oder das Folieren einer Palette. Daraus lassen sich Zeitbausteine und Sollzeiten entwickeln. Eine Multimomentstudie misst dagegen keine einzelnen Sekunden oder Minuten. Sie zeigt, wie häufig bestimmte Tätigkeiten im Verhältnis zueinander auftreten. Beide Methoden betrachten also Arbeitsabläufe, beantworten aber unterschiedliche Fragen.
Vereinfacht gesagt:
- Die Zeitstudie zeigt, wie lange ein Arbeitsschritt dauert.
- Die Multimomentstudie zeigt, auf welche Tätigkeiten sich die Arbeitszeit insgesamt verteilt.
Diese übergreifende Perspektive ist besonders hilfreich, wenn viele Beschäftigte in einem größeren Bereich unterschiedliche Aufgaben übernehmen.
Wann eignet sich eine Multimomentstudie als Methode?
Multimomentaufnahmen eignen sich besonders für wechselnde oder schwer standardisierbare Abläufe. Typische Einsatzfelder finden sich in Lager, Wareneingang, Kommissionierung, Versand und Produktion. Auch Verwaltungs- und Bildschirmarbeitsplätze können untersucht werden, wenn zahlreiche Aufgaben ineinandergreifen.
Für Unternehmen ist die Methode vor allem in drei Situationen interessant:
- Die Ursache ist unklar. Ein Prozess läuft nicht rund, aber niemand kann belastbar sagen, welche Tätigkeiten den größten Aufwand verursachen.
- Der Untersuchungsbereich ist komplex. Viele Mitarbeitende, Stationen und Aufgaben greifen ineinander; eine lückenlose Beobachtung wäre zu aufwendig.
- Ein schneller Einstieg ist gefragt. Bevor ein umfangreiches Optimierungsprojekt beginnt, soll zunächst sichtbar werden, für welche Tätigkeiten am meisten Zeit verwendet wird.
So gehen wir bei LMS vor
Damit aus vielen Beobachtungen ein belastbares Ergebnis entsteht, muss die Untersuchung sorgfältig vorbereitet werden. Wir von LMS verbinden dabei arbeitswirtschaftliche Methodik mit einem tiefen Verständnis logistischer Abläufe.
- Ziel und Untersuchungsbereich definieren
Zunächst klären wir gemeinsam, welche Frage die Studie beantworten soll. Anschließend grenzen wir die relevanten Bereiche, Arbeitsplätze, Stationen und Betriebsmittel ein. Das Ziel kann beispielsweise darin bestehen, Wartezeiten zu reduzieren, Kapazitäten besser einzusetzen oder die Grundlage für eine neue Personalplanung zu schaffen.
2. Tätigkeiten eindeutig beschreiben
Gemeinsam mit dem Unternehmen strukturieren wir die vorkommenden Tätigkeiten. Die Kategorien müssen in der späteren Beobachtung schnell und eindeutig zu unterscheiden sein.
3. Erhebungsform auswählen
Sichtbare Vorgänge können durch unsere Fachleute bei Rundgängen erfasst werden. Für geistige oder von außen nicht erkennbare Tätigkeiten eignet sich eine Selbstaufschreibung: Ein zufälliges Signal fordert die Beteiligten auf, ihre aktuelle Tätigkeit aus einer definierten Auswahl zu dokumentieren.
- Rundgänge und Stichproben planen
Bei einer externen Erhebung legen wir Beobachtungspunkte und Rundgänge fest. Die Zeitpunkte werden zufällig gewählt. Der notwendige Beobachtungsumfang richtet sich nach der geforderten statistischen Sicherheit.
- Ergebnisse prüfen und auswerten
Bei Proberundgängen testen wir die Kategorien unter realen Bedingungen. Zwischenauswertungen zeigen, ob bereits genügend Beobachtungen vorliegen. In der Endauswertung ermitteln wir die Anteile der einzelnen Tätigkeiten.
- Verbesserungen ableiten
Was uns besonders wichtig ist: Wir betrachten nicht nur die Prozentwerte, sondern ordnen sie in die realen Abläufe ein. Gemeinsam mit dem Unternehmen prüfen wir Ursachen und entwickeln Maßnahmen für Prozesse, Organisation, Technik oder die Arbeitsplatzgestaltung.
Vom Aha-Moment zur tragfähigen Entscheidung
Bei der Auswertung erleben wir häufig einen echten Aha-Moment: Die gefühlte Arbeitsrealität stimmt nicht immer mit der tatsächlichen Zeitverteilung überein. Multimomentstudien zeigen beispielsweise, wie viel Zeit durch Warten, Suchen, Störungen, Abstimmungen oder administrative Aufgaben gebunden wird.
Gemeinsam mit unseren Kunden gehen wir deshalb einen Schritt weiter:
- Lassen sich Aufgaben besser bündeln?
- Sind Zuständigkeiten sinnvoll verteilt?
- Fehlen Informationen oder Materialien an entscheidenden Stellen?
- Und werden Personal und Betriebsmittel dort eingesetzt, wo sie den größten Beitrag leisten?
Die Häufigkeitsverteilung ist für uns kein Selbstzweck. Sie liefert eine belastbare Grundlage, um Verbesserungsmaßnahmen gezielt zu priorisieren. Werden darüber hinaus exakte Bearbeitungszeiten oder Sollzeitbausteine benötigt, können wir die Analyse durch Zeitstudien vertiefen.
Beobachten, ohne einzelne Personen zu bewerten
Bei unseren Multimomentstudien untersuchen wir Tätigkeiten, Abläufe und Arbeitsbereiche – nicht die Leistung einzelner Beschäftigter. Personenbezogene Daten müssen dafür nicht erhoben werden.
Wichtig ist uns eine transparente Vorbereitung. Die Beteiligten sollten wissen, welche Fragestellung untersucht wird, wie die Erhebung abläuft und wofür die Ergebnisse verwendet werden. Das schafft Akzeptanz und hilft uns, die Tätigkeiten realistisch zu strukturieren und die Resultate anschließend gemeinsam einzuordnen.
Warum Multimomentstudien mit LMS?
Auf dem Papier besteht eine Multimomentstudie aus drei einfachen Schritten: beobachten, dokumentieren, auswerten. Ob daraus belastbare Erkenntnisse entstehen, hängt jedoch von der sorgfältigen Planung und fachlichen Einordnung ab. Wir definieren die Tätigkeiten eindeutig, verteilen die Beobachtungszeitpunkte nach dem Zufallsprinzip und ermitteln den erforderlichen Stichprobenumfang.
Entscheidend ist dabei unser besonderes Logistik-Know-how: Wir kennen die Abläufe im Lager und verstehen, wie Wareneingang, Einlagerung, Kommissionierung, Nachschub und Versand ineinandergreifen. Dadurch können wir die Ergebnisse nicht nur statistisch auswerten, sondern im Zusammenhang mit Materialflüssen, Arbeitsorganisation, Technik und Personaleinsatz beurteilen.
So erhalten unsere Kunden keine isolierte Statistik, sondern ein verständliches Bild ihrer betrieblichen Realität – verbunden mit konkreten Ansatzpunkten für bessere Prozesse, klare Strukturen und einen sinnvollen Technik- und Personaleinsatz.
Wissen Sie, womit Ihr Team im Arbeitsalltag wirklich Zeit verbringt?
Wenn Abläufe immer wieder ins Stocken geraten, die Ursachen aber schwer greifbar sind, schauen wir gemeinsam genauer hin. Mit einer Multimomentstudie machen wir sichtbar, wo Zeit gebunden wird und welche Verbesserungen sich daraus ableiten lassen.
Sprechen Sie uns an – wir klären gemeinsam, ob die Methode zu Ihrer Fragestellung passt und welche Erkenntnisse sie für Ihre Logistik liefern kann.
